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ÖFFENTLICHES STIFTSGYMNASIUM
DER BENEDIKTINER IN ST. PAUL
Gymnasiumweg 5,
9470 St. Paul, Kärnten - Austria
Tel.: 04357 - 2304 Fax: 04357 - 3843
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Magdalena Roschitz aus der 4e-Klasse erreicht beim Bachmann Junior-Literaturwettbewerb den hervorragenden 1. Platz.

Der Junior Bachmann Literaturwettbewerb für Kinder und Jugendliche wurde vor 27 Jahren vom Ingeborg Bachmann Gymnasium ins Leben gerufen. Aus einem schulinternen Projekt entwickelte sich bald ein renommierter Schreibwettbewerb, der die Grenzen Kärntens überschreitet und sogar Schüler und Schülerinnen an deutschen Schulen erreicht.

Im heurigen Schuljahr entschied man sich für das Thema „Augenblicke“, zu dem weit über 400 Texte eingereicht wurden. Drei Monate hatte eine ausgewählte Jury, darunter z. B. Univ. Prof. Dr. Anke Bosse und der ehemalige Präsident des Kärntner Landesschulrates Rudolf Altersberger, Zeit, die literarischen Werke der Schüler und Schülerinnen zu studieren und zu bewerten.

Bei einer feierlichen Lesung am Abend des 27. Juni 2019 hatte Magdalena, unsere erfolgreiche Jungliteratin, die Möglichkeit, ihren prämierten Text einer großen Schar von Prominenz aus Politik, Literatur und Kunst zu präsentieren. Souverän und mit viel Professionalität gab sie ihren sprachlich pointierten Text im ORF-Theater Klagenfurt wieder, wo der seit 1976 von der Stadt Klagenfurt im Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gestiftete Preis alljährlich verliehen wird.

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Schon vor drei Jahren, zu Beginn der Unterstufe in der ersten Klasse, hat  Magdalena Roschitz das Publikum mit ihrer Kurzgeschichte “Blumen blühen überall“ beim Junior Bachmann  Literaturwettbewerb überzeugen können und den ausgezeichneten 2. Platz errungen. Heuer, zum Abschluss der Unterstufe in der 4. Klasse, ist es Magdalena  gelungen, mit ihrem Text „Augenblicke“ in ihrer Kategorie den hervorragenden 1. Platz zu erreichen. In ihrem Text „Augenblicke“ geht es um das Wahr- bzw. Nichtwahrnehmen von Dingen, die  rund um uns geschehen. Oft verschließt man sich vor dem, was neben einem vor sich geht und verliert  somit  Chancen  für neue Erinnerungen, neue Augenblicke. In der Ich- Perspektive erzählt die Preisträgerin von einer Auto-Fahrt, Gedanken und Gefühlen, und dass man oft in den unspektakulärsten Umgebungen die schönsten Augenblicke sammeln kann.

Die Vorzugsschülerin Magdalena, die gerne singt, tanzt, Cello und Theater spielt, stellt sich im Video, das sie eigens für die Lesung am 27. Juni gestaltet hat, mit folgenden Worten vor: „Das bin ich. Ein Mensch, der irgendwo in einer von tausenden Galaxien, auf einem von Millionen Planeten, in einem von Milliarden Ländern, in einem winzig kleinen Ort wohnt. Ich bin wie unser Planet, bestehend aus vielen hundert kleinen Teilen, die mich zu dem machen, was ich bin. Ein großer Teil von mir ist die Musik. Mein Tag beginnt und endet mit ihr, wenn ich nicht gerade selbst Musik mache, tanze ich zu Musik oder höre sie. Überall. Ein ebenso großer und wichtiger Teil von mir ist die Kunst. Das Schreiben verleiht mir eine Art Kraft, eine Kraft, die es mir erlaubt, unendlich weite Welten zu erschaffen. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben, man muss es selbst fühlen. Ideen zum Schreiben sammle ich im Alltag oder aber auch aufgrund von interessanten Träumen oder inspirierender Musik. Am liebsten schreibe ich bei mir zuhause, in unserer Küche an meinem Laptop. Schreiben ist für mich wie Musik mit Worten.“

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Als Anerkennung für ihre großartige Leistung überreichte Direktor OStR Mag. Simon Leschirnig-Reichel, der auch ihr Englischlehrer ist, Magdalena im Namen der Schule einen Büchergutschein und gratulierte herzlich. Ihre Klassenvorständin Prof. Mag. Lisa Baumgartner sowie ihre Deutschprofessorin Mag. Gerlinde Peter freuen sich sehr über den Erfolg ihres Schützlings, konnten  aber bei der Lesung im ORF-Theater nicht dabei sein, da zeitgleich die Schluss-Konferenz am Stiftsgymnasium stattfand. Doch ihre Familie und der „Fanclub“ der Klasse ließen es sich nicht nehmen, nach Klagenfurt anzureisen und die souveräne Präsentation zu verfolgen und sich mit Magdalena über die Anerkennungspreise zu freuen.

k jbw03Direktor OStR Mag. Simon Leschirnig-Reichel überreicht der Preisträgerin Magdalena Roschitz (4e)
einen Büchergutschein. KV Mag. Lisa Gutschi (geb. Baumgartner) und Deutschlehrerin Mag. Gerlinde Peter
reihen sich in die Schar der Gratulanten ein.

 

Das Stiftsgymnasium St. Paul ist stolz, eine so talentierte Schülerin in seinen Reihen zu haben, und ist sich sicher, dass Magdalena, durch die Spuren von Ingeborg Bachmann angeregt, weiterhin in ihrer schriftstellerischen Leidenschaft voranschreiten wird. Viel Erfolg für die Zukunft!

 
Der prämierte Text von Magdalena Roschitz, 4e:

Augenblicke

Das Brummen des Autos dröhnt in meinen Ohren. Ich höre ein lautes Hupen aus der Ferne. Ich lehne meinen Kopf an das Fenster. Kälte dringt in meinen Kopf. Nach einer Weile beschließe ich aus dem Fenster zu schauen. Ein Auto, zwei Autos, drei Autos, vier. Alle rauschen an uns vorbei, ein verschwommenes Bild in vielen Farben vermischt sich immer wieder in meinen Augen. Einen Bruchteil unseres Lebens treffen sich unsere Welten, kaum bemerkbar jedoch. Wir werden langsamer. Wer weiß schon etwas über die Frau in dem blauen Auto, der Tränen über die Wangen laufen. Wer weiß schon etwas über den Mann in dem roten Auto, der einen Vollbart trägt und glücklich vor sich hinlächelt? Wer weiß schon etwas über mich, mich, die die am Fenster lehnt und beinahe sehnsüchtig hinaussieht? Ich blicke nach vorne und kann unschwer erkennen, dass sich mittlerweile ein Stau gebildet hat. Kein Wunder, sagt meine Mutter, kein Wunder bei dieser Saison. Wir bleiben neben einem grünen, größeren Auto stehen. Ich schaue in das Auto. Vorne fährt eine Frau, ein Mann am Beifahrersitz. Auch die Rückplätze sind alle besetzt, von drei Kindern. Das Kind, das am rechten Fenster sitzt, dürfte ungefähr in meinem Alter sein, vierzehn vielleicht. Ein Junge, der Kopfhörer aufhat und sich den Stau genauer ansieht. Neben ihm ein Kindersitz, ein Mädchen. Vielleicht fünf, sechs Jahre alt? Am linken Fenster ein Junge, wahrscheinlich vier Jahre alt. Immer noch starre ich beinahe unverschämt in das fremde Auto. Wenn ich all diese fremden Menschen sehe, stelle ich mir manchmal vor, wie ihr Leben wohl so ist. Es entstehen interessante Geschichten, obwohl ich bezweifle, dass diese auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen. Die wirklichen Geschichten der Menschen würde ich wohl nur erfahren, indem ich die Leute kennenlerne, denn der Eindruck täuscht. Ich stelle mir vor, dass der Junge einen weißen, großen, flauschigen Hund besitzt, mit seiner Familie lebt er in einem blauen Haus am Land, das aber nahe an einer Stadt liegt. Ich erwache aus meiner Art Trance und erkenne plötzlich, dass mich der Junge ebenfalls anstarrt. Ich schrecke zurück. Oh Gott. Wie peinlich. Schnell schaue ich weg. Ich denke mir oft, wie faszinierend es ist, dass jeder seine eigene Wahrnehmung und seine eigenen Gedanken hat. Obwohl sich unsere Welten zwar oft im Alltag treffen - wenn wir uns überhaupt gegenseitig bemerken - sind unsere gegenseitigen Wahrnehmungen meist völlig unterschiedlich. Ich fände es manchmal interessant, andere Gedanken lesen zu können oder einfach eine Person mitten auf einer vollen Straße anzusprechen. So wie in diesen Hollywood-Filmen, in denen es gar lächerlich einfach aussieht, die große Liebe seines Lebens oder die beste Freundschaft zu finden. Wünschen wir uns nicht alle manchmal, Teil, Hauptteil solch einer romantischen Komödie zu sein? Vielleicht ist es ja so einfach. Eventuell auch nicht. Wahrscheinlich sollten wir es einfach ausprobieren, um herauszufinden, ob es denn nun einfach ist oder nicht. Das Autostartet wieder, der Stau löst sich langsam auf. Wir entfernen uns von dem grünen Auto und gehen wieder unseren eigenen Weg weiter. Neue Erinnerungen, neue Momente. Neue Augenblicke.

 

Text: Prof. Mag. Gerlinde Peter
Bilder:  Mag. Brigitta Roschitz, Prof. Mag. Günter Peter

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