Psychologie und Philosophie

Die Schülerinnen und Schüler bekommen in der 7. und 8. Klasse einen neuen Gegenstand (jeweils zwei Stunden in der Woche): „Psychologie und Philosophie" - dieser Gegenstand, der vor etlichen Jahren „Philosophischer Einführungsunterricht" hieß, wird zusätzlich auch als Wahlpflichtfach angeboten.

Goethe und Schiller formulierten vor ca. 200 Jahren in Form eines Kurzgedichtes (ein Distichon), worum es in der Psychologie geht:

Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben;
Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz.

Selbsterkenntnis und Verstehen des Anderen sowie Beobachtung und Introspektion (das Hineinsehen) sind zentrale Ziele und Methoden der Psychologie. Es geht um die Vermessung der seelischen Landschaft, die Bewusstes und Unbewusstes, das uns in unserem Existieren beeinflusst, einschließt; über die Gefühls- und Bedürfnissituation des Einzelnen werden Betrachtungen angestellt – vielleicht mit der Intention, „Herr in seinem eigenen Haus [Seele]" (Freud) zu sein.

Psychologie war am Anfang der abendländischen Zivilisation in Griechenland ein Teil der Philosophie – über allem stand das Wort „Erkenne dich selbst".

Immanuel Kant formulierte vor ca. 200 Jahren die Grundfragen der Philosophie:

1. Was kann ich wissen?

2. Was soll ich tun?

3. Was darf ich hoffen?

4. Was ist der Mensch?

Bei der ersten Frage zeigt sich ein erkenntnistheoretisches, bei der zweiten ein ethisches, bei der dritten ein religions- bzw. geschichtsphilosophisches und bei der vierten ein anthropologisches Interesse.

Philosophie = Philosophieren versucht auf Grundfragen, die uns Menschen immer wieder bedrängen, überzeugende und ‚vernünftige' (‚begründete') Antworten zu finden; wir sind ‚unterwegs' und suchen nach der ‚Wahrheit'.
Kant fordert uns fortwährend auf: „Habe Mut, dich deines e i g e n e n Verstandes zu bedienen."

In diesem Zusammenhang ist Theodor Wiesengrund Adorno zu erwähnen, der in den 60er Jahren des 20. Jh.s die Philosophie als „Widerstand gegen die sich ausbreitende Heteronomie [Fremdbestimmung]" in den demokratischen Raum stellte.

Unser Gegenstand (eine Schule des Innehaltens und der Nachdenklichkeit), der den selbstverständlichen Lebensmodus in Frage stellt, gründet ganz wesentlich auf ‚großen' Gesprächen in Aufrichtigkeit.
Psychologie und Philosophie „dephlegmatisiert" und „vivifiziert" (Novalis) und klärt auf.

Unser Gegenstand ‚lehrt' intellektuelle Bescheidenheit und das ‚menschliche Maß'.

Psychologie und Philosophie ist eine Einladung, immer wieder – auch jenseits der Schule – in aller Ruhe, allein und in Gemeinschaft über Gott und die Welt nachzudenken.

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Esther Elena Gritsch 8.a (2013)

Archiv bis 10 / 2013

Text:      Prof. Mag. Andreas Rakowitz (Fachkoordinator PuP)

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