Geschichte des Stiftsgymnasiums

Von den Anfängen bis zur Renovierung 2000/01

Lang ist die Tradition, auf die das Stiftsgymnasium St. Paul zurückblicken kann. Seit nun bereits hundert Jahren gibt es die Schule, so wie wir sie heute kennen.

Stiftsgymnasium 1901 Stiftsgymnasium 2001

Zwischen diesen beiden Bildern liegen 100 Jahre; links ein Bild von der feierlichen Eröffnung des imposanten Bauwerkes am 5. Juli 1901. Kostenpunkt für die Errichtung des mächtigen Schulhauses: 350.000 Kronen. Am rechten Foto zeigt sich die neu renovierte Schule von ihrer schönsten Seite, der Frontansicht mit der goldenen Aufschrift über dem Haupteingang.
Die Anfänge liegen allerdings viel weiter zurück. Schon im frühen 12. Jahrhundert bestand hier eine Lateinschule, die später unter Ks. Maria Theresia zu einem Gymnasium umgestaltet wurde. Nach der Aufhebung von Stift und Schule  im Zuge der Reformen Josephs II. erstanden beide Einrichtungen mit der Wiederbesiedelung von St. Paul 1809 neu. Die Bildungsanstalt wurde als vierjähriges Untergymnasium geführt, dem ein Konvikt angeschlossen war. (1889 - Neubau). Ab dem Schuljahr 1897/98 wurde das Gymnasium sukzessive in ein achtjähriges Vollgymnasium umgewandelt.
In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts leitete P. Ämilian Hribernig die Schule, unter dessen Amtsführung P. Switbert Lobisser, der große Holzschnittkünstler und Maler, zu unterrichten begann. Auch das Konvikt "Josephinum" wurde 1909 um zwei Flügeltrakte erweitert und erhielt somit sein heutiges Aussehen. Rund 200 Schüler fanden in diesem modernen, auf dem höchsten Standard seiner Zeit stehenden Erziehungsinstitut Platz. So gab es hier bereits seit 1907 eines der ersten Hallenbäder Österreichs. In dieser Zeit zählte wohl Paul Hörbiger, der spätere große Schauspieler, zu den bekanntesten Schülern. Schon damals konnte er sein Talent im Rahmen des Schultheaters bei einer Aufführung des "Lumpazivagabundus" als Knieriem zur Geltung bringen.
Im Jahre 1913 übernahm P. Dr. Richard Strelli die Leitung des Stiftsgymnasiums. Schon kam der erste Weltkrieg, der seinen Blutzoll forderte. 126 der 200 in den Krieg gezogenen Studenten sollten nicht mehr zurückkehren. Seit 1917/18 wurden auch bereits Mädchen unterrichtet , ab 1933/34 zählte das schon längere Zeit gelehrte Fach "Englisch" zu den Pflichtfächern. Vielbeachtete Theater - und Musikaufführungen prägten in dieser Zeit das Schulleben.
Im Anschlussjahr 1938 wurde das Stiftsgymnasium St. Paul nach Verweisung aller geistlicher Lehrer verstaatlicht. Die nunmehrige Oberschule für Jungen übersiedelte schließlich 1942 nach Wolfsberg, im Stift (1940 aufgehoben) und im Gymnasium selbst verblieb nur eine "nationalpolitische Erziehungsanstalt" (NAPOLA).

Schlafsaal im alten Konvikt "Josephinum" Blick ins alte Studierzimmer

Unmittelbar nach Kriegsende gingen die St. Pauler Mönche sofort daran, das Gymnasium so schnell wie möglich zu aktivieren. Nach Auflösung der Oberschule in Wolfsberg organisierte dessen letzter Leiter Max Andrecs mit Unterstützung der britischen Besatzungsmacht die Rückstellung des aus dem aufgehobenen Stiftsgymnasium stammenden Inventars. Mit 277 Schülern, davon bereits 90 weibliche, begann der Neubetrieb. Das Konvikt "Josephinum", vorübergehend von der britischen Besatzung beschlagnahmt, ging erst 1950 wieder in Betrieb. 1947 wurde P. Dr. Hermann Peißl, bereits 69 Jahre alt, Schulleiter und sollte es noch 20 Jahre bleiben. In althergebrachter Weise prägten auch nach dem Krieg großangelegte Schulfeiern und Theateraufführungen die Atmosphäre am Stiftsgymnasium. Legendär bis zum heutigen Tag blieben die unzähligen Theaterabende der Schauspielgruppe unter der Leitung von Prof. Blumenthal.

Turnunterricht in der neuen Halle - 1975 - Prof. Pölz Lehrkörper 1967

1961/62 wurde die Schülerzahl 500 überschritten und als "lebende Subvention" an die Privatschulen waren bereits die meisten Lehrer staatlich besoldet. In den folgenden Jahren erlebte das Stiftsgymnasium einen großen Investitions- und Modernisierungsschub, umgesetzt von P. Dr. Bernhard Knapp, seit 1967 Direktor der Schule. Neben neuen Unterrichtsräumlichkeiten (moderner Physik- Chemiesaal...), einem Allwettersportplatz, Adaptierungen im Hallenbad u.a.m. muss natürlich der Neubau der Doppelturnhalle besonders hervorgehoben werden. Aber auch zeitgemäße Einrichtungen wie Fernseher in vielen Klassen  - ja sogar erste Videorecorder wurden angeschafft -  hielten Einzug ins Schulleben von St. Paul.
Die Direktoren P.Bernhard Knapp, Rudolf Leitner und P.Paulus KaimbacherUnter der Leitung von HR Mag. Rudolf Leitner, der 1976 der erste weltliche Direktor des Stiftsgymnasiums wurde, stieg die Schülerzahl Ende der siebziger Jahre auf über 900. 1981 maturierten 97 Kandidaten, eine Zahl, die bis heute unerreicht bleiben sollte. 1980/81 entstand als Ersatz für das bereits 1976/77 geschlossene Konvikt eine Tagesheimschule, die dank ihrer engagierten Arbeit in der Nachmittagsbetreuung sehr gut aufgenommen wurde und sich bald zu einer tragenden Säule der Schule entwickelte. Modernes Unterrichten, Erfolge in Sport, Musik, Kunsterziehung, Umweltkunde u.a.m. prägten das Bild des Gymnasiums, aber auch dem religiösen Element als schulprofilbestimmender Faktor wurde vermehrt Rechnung getragen. So hat sich hier Abt Mag. Bruno Rader besonders hervorgetan (regelmäßige Feiern, Meditationsabende, Einkehrtage..). Ein Höhepunkt für die Schule bildete natürlich auch die Einbindung in die erste Landesausstellung Kärntens "900 - Jahre Stift St. Paul".
Seit 1992/93 steht mit P. Mag. Paulus Kaimbacher wieder ein Mitglied des Stiftskonventes an der Spitze des Gymnasiums. Von Beginn an setzte sich P. Paulus mit Nachdruck für die notwendige Generalsanierung des heuer 100 - jährigen Gymnasialgebäudes ein. Nach eingehenden Verhandlungen mit Bund und Land wurde die Finanzierung gesichert, sodass die Baumaßnahmen durch das Stift als Schulerhalter anlaufen konnten, die nun im heurigen Herbst zu einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis gebracht wurden. Rasant verliefen in den letzten Jahren auch die Veränderungen im schulischen Bereich (neue Maturaordnung, Wahlpflichtfächer, EDV-Verwaltung.....) Seit 1996/97 nimmt die Schule auch am Comenius - Projekt teil, in dessen Rahmen das Gymnasium mit Partnerschulen in England, Frankreich, Italien, Schweden und neuerdings auch in Deutschland und Ungarn regen Kontakt pflegt (gegenseitige Arbeitsbesuche, Lehrer- und Schüleraustausch).

So ist und bleibt es Ziel dieser Schule, ihre Absolventen zu christlich toleranten, weltoffenen, aber auch kritischen und fundiert ausgebildeten jungen Menschen werden zu lassen, die den Anforderungen der Gegenwart durch ihre solide humanistische,   wissenschaftliche und vor allem humane Allgemeinbildung entsprechen können.

PS.:
Wer eine genaue Geschichte des Stiftsgymnasiums nachlesen will, muss sich die Jahresberichte der Jahrgänge 1985/86 bzw. 1986/87 besorgen, in denen Koll. Mag. Röck und Koll. OSTR. Prof. Mag. Maurer die wichtigsten Daten bis zum Jahre 1985 angeführt haben.

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