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ÖFFENTLICHES STIFTSGYMNASIUM
DER BENEDIKTINER IN ST. PAUL
Gymnasiumweg 5,
9470 St. Paul, Kärnten - Austria
Tel.: 04357 - 2304 Fax: 04357 - 3843
Mail: stiftgym-stpaul@bildung-ktn.gv.at
   

Mit dem Jahre 1809 begann in St. Paul erneut eine neue Ära. Die Mönche aus Blasien erhielten St. Paul als ihr Stammkloster, jedoch mit der Auflage eine Lateinschule (Unterstufengymnasium) in St. Paul und ein Lyzeum (Oberstufe) in Klagenfurt am Benediktiner Platz zu führen. Die Tradition als Ausbildungsstätte ist aber schon älter. Bereits die Großmutter des Kaisers hat im Zuge ihrer Gymnasialreform das Benediktinerstift St. Paul mit der Aufgabe betraut, eine Bildungsstätte zu errichten. Bis zur Aufhebung des Klosters kamen die Mitbrüder diesem Auftrag auch nach Kaiser Franz I. von Österreich forderte Abt Rottler auf, diesem Bildungsauftrag wieder aufzunehmen. Da der Schülerandrang nur sehr gering war, gab es im Kloster genügend Platz für den Unterricht und für die Unterkunft. Im heutigen Pfarrtrakt haben sich diese zwei Institutionen befunden.

studiersaalkonvikt schlafsaalkonvikt

Während des Revolutionsjahres 1848 sank die Schülerzahl auf 18 Schüler. Doch schon wenige Jahre konnte die Anzahl der Schüler wieder erhöht werden. Aus der alten Schule wurde nun ein „Öffentliches Privat-Untergymnasium“, das nicht mehr vom Staat erhalten werden musste. Mit der Zunahme der Schülerzahl mussten die Mitglieder des Konventes sich Gedanken machen, wo und wie diese Schüler unterrichtet und untergebracht werden konnten. Zuerst war es notwendig geworden mehr Schlafplätze zur Verfügung zu stellen. Schon auf Betreiben des Kaisers Franz I. wurde ein Konvikt zwecks Einquartierung, Verköstigung und umfassender Erziehung der Schüler gefordert.

Im Jahre 1816 gab es nur fünf bis acht „Kostknaben“. Unter Direktor P. Eberhard Katz wurde neben dem Konvikt im Stift ein „Josephinum“ im Markt errichtet.

konviktohnefluegelbauten

Die Grundlage dafür war das Patronat, welches nun in diesem neuen Erziehungsheim aufging. Das neuerbaute Gebäude und das alte Konvikt sollen nun die Ausbildung vieler Zöglinge prägen. Viele Einrichtungen wurden ihnen geboten, u. a. Einrichtungen für Sport und Geselligkeit, aber Studium, Besinnlichkeit und Gebet kamen nicht zu kurz. Die Schülerzahl am Stiftsgymnasium wuchs stetig, so dass man an eine Erweiterung des Konviktes denken musste. So wurde im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts das Konvikt um zwei Flügelbauten entscheidend vergrößert und im Jahre 1909 seiner Bestimmung übergeben. Den Plänen für den Zubau kann entnommen werden, dass man sogar an ein eigenes „Schnarchzimmer“ gedacht hatte. "Die Korridore und alle Räume des durch Neubau nicht nur bedeutend erweiterten, sondern auch vollkommen modernisierten Konviktes sind licht und luftig und gut heizbar und mit elektrischer Beleuchtung versehen“ (Jb 1909/1910). An alles wurde gedacht, der Strom stammte aus dem stiftseigenen Kleinkraftwerk, ein eigener Krankentrakt wurde errichtet, und für schlimmere Fälle gab es einen Isoliertrakt. Die Aufgaben der Erzieher waren vielfältig, so mussten sie täglich kontrollieren, ob die Zöglinge ihre Zähne ordentlich geputzt hatten. Dies ist angesichts der wachsenden Zahl der Konviktisten ein grundlegender Beitrag zur Hebung der Volksgesundheit.

krankenzimmerdeskonviktes

Aber die Sensation für alle bildete das gut beheizbare Schwimmbad. Auch in früheren Zeiten war der Schwimmunterricht ein wesentlicher Teil der Leibeserziehung. Zuvor konnte man nur in der Lavant das Schwimmen erlernen.

schwimmbadkonvikt

Der Zielgedanke des Präfekten von St. Paul ist, den hohen Wert dieser kleinen Welt den Zöglingen nahe zu bringen. Die ihm anvertrauten Kinder sollen nach acht Jahren wohl als Großgewordene gerne an die Zeit im Konvikt denken. „Freilich geschieht es zuweilen, dass in die von Jahr und Jahr stetig wachsende Zahl der Konviktszöglinge Elemente geraten, die ganz wo anders hingehören. Die scharfen Augen des Konviktspräfekten finden derlei Exemplare schon nach zwei oder drei Tagen heraus, und sie verschwinden, gleichgültig, ob sie niederer Herkunft oder Fürstenkinder sind, denn innerliche Sauberkeit ist eines der Hauptpostulate der kleinen Welt von St. Paul, genannt „Josefinum“ (Albon d` Eugen: Das Konvikt der Benediktiner von St. Paul 1910). Viele bedeutende Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland haben die „kleine Welt von St. Paul“ erlebt. Man denke an Paul Hörbiger, Dr. Adolf Lorenz (Erfinder der modernen Orthopädie) und Vater von Nobelpreisträger Konrad Lorenz. Er, ein armer Bauernbub aus der Steiermark, konnte die Lateinschule in St. Paul nur besuchen, weil sein Onkel mütterlicherseits P. Ehrlich, der spätere Abt, gewesen ist. Seine Dankbarkeit der „kleinen Welt“ in St. Paul war so groß, dass er aufgrund seines Reichtums Freiplätze im Konvikt finanziert hatte. Aber Dr. Lorenz wie auch das Stift St. Paul, das immer dem Hause Habsburg verbunden war, hatten viel Geld in Kriegsanleihen investiert, die nach dem verloren gegangen Krieg wertlos geworden waren. Ein bedeutender, lebender Alt-St. Pauler wäre der Schauspieler Peter Maria Simonischek.

Schwere Jahre begannen für Stift, Gymnasium und Konvikt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Kamen vor dem Ersten Weltkrieg die Schüler aus der gesamten Habsburger Monarchie, so kamen z. B. beinahe ein Drittel der Schüler und Konviktisten aus dem „Küstenland“ (heutige kroatische Adriaküste), so beschränkte sich die Herkunft der nunmehrigen Schüler auf das stark reduzierte Österreich. Die schwierige, wirtschaftliche Lage führte dazu, dass die Schüleranzahl wieder zurückging.  Dachte man in St. Paul die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wären schlimm, so hatten sich die Stiftsherren sehr geirrt. Mit dem Tode von Abt P. Dr. Richard Strelli wurden die Stiftsgebäude von den Nationalsozialisten in Beschlag genommen. Die Mönche mussten St. Paul verlassen, einzig P. Hartmut Labi durfte im Ort bleiben, weil seine Schwester die Versorgung übernahm. Im Konvikt wurde die NPEA (Nationalsozialistische Erziehungsanstalt – auch NAPOLA genannt) eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss sich das Kapitel der traditionsreichen Benediktinerabtei, „in getreuer Befolgung seiner seit mehr als einem Jahrhundert mustergültig geübten hohen Aufgabe der Jugendbildung und Jugenderziehung, an die Restaurierung eines einst so stolzen Konviktbaues heranzugehen" (Volkszeitung, 26. 10. 1950). Zuerst konnte man nur den Südtrakt des Gebäudes benutzen. Die Freude war bei allen groß, denn nun konnte man den Schulbetrieb wieder in der Form aufnehmen, wie er vor der Enteignung durch Nationalsozialisten gewesen war. Auch in dieser Zeit des Aufbruchs war die Not noch groß, so wurde der riesige, rechte Bereich im Eingangstor stehend als Nutzgarten verwendet. Dies konnte nur durch die tatkräftige Hilfe von geistlichen Schwestern bewerkstelligt werden.

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Der Gebäudekomplex des Konviktes erfuhr im Jahre 1975 eine Erweiterung. So wurde am 21. Juni 1975 die Doppelturnhallte eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben. Diese neue Halle besteht aus einem teilbaren Raum mit sechs Meter Höhe. Seit wenigen Jahren werden Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten an dieser Halle vorgenommen, denn der Zahn der Zeit nagt an ihr.

Aufgrund des neuen Kärntner Abwasserverordnungsgesetzes musste das Hallenbad geschlossen werden.  Wegen der hohen Kosten und der zu geringen Nachfrage wurde Ende der 70er Jahre ebenso der Internatsbetrieb im Konvikt vollständig geschlossen. Doch wenige Jahre später sollte das Konvikt eine neuerliche Bestimmung erhalten, die es auch heute noch vielen Schülern gewährleistet. Mit der Errichtung der Tagesheimschule (THS) erhielt das Konvikt einen neuen Bildungsauftrag. Es wurde – und ist heute noch – der heimelige Ort für die Schüler, die diese Form der Ganztagsschule besuchen. Das gemeinsame Essen im altehrwürdigen Speisesaal mit den Professoren, die gemeinsamen Freizeitaktivitäten sowie die Durchführung gemeinsamer Feste bleiben diesen Schülern in Erinnerung. Im heurigen Jahr war das Konvikt im Lavanttal wieder im Gespräch. Eine sich am Plafond gelöste Schalltafel war Grund für die Schließung des Festsaales, der für viele Veranstaltungen einen festlichen Rahmen geboten hatte. Administrator P. Mag. Maximilian Krenn hat mit dem Konvent den Beschluss gefasst, den Festsaal einer Generalsanierung zu unterziehen, dabei soll der „Betonplatten-Charme“ aus den 60er Jahren wieder entfernt werden. Mit Hilfe von Photographien wird nun dem Festsaal das ursprüngliche Ambiente zurückgegeben.

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Ein Wunsch von Dekan P. Mag. Marian Kollmann ist, dass man auch die Kapelle im Konvikt renoviert und den Altar der Kapelle, der zurzeit in der Erhardikriche steht, wieder dorthin bringt.

Text: Prof. Dr. Rudolf Freisitzer

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