Zeitzeuge Franc Kukovica - 2012

Am 18. Jänner besuchte uns ein aus Bad Eisenkappel stammender, zweisprachig aufgewachsener Pensionist namens Franc Kukovica, der uns einiges über sein Leben während des Zweiten Weltkriegs erzählte.

Eines der ersten Ereignisse, an das er sich erinnern kann, war das alte, mit einer Autobatterie betriebene Radio seiner Mutter, mit dem sie jeden Sonntag einem Wiener Frauenchor zuhörte, der tschechische Lieder sang, doch am Sonntag nach dem 12. März 1938 war anstatt dieser tschechischen Lieder Marschmusik zu hören. Seine Mutter beschuldigte zuerst seinen Vater, etwas verstellt zu haben, doch wenige Tage später erfuhren sie vom Einmarsch Hitlers und dem Verbot slawischer Sprachen.
Eine weitere Erinnerung war die an den Fetzenladen, den er alle paar Wochen zusammen mit seinen Eltern besuchte. Er liebte diese Besuche, denn jedes Mal bekam er ein kleines Zuckerl oder ein Stück Schokolade. Doch als sie zwei Wochen nach dem Einmarsch wieder zum Einkaufen zu diesem Laden fuhren, war die Familie, der er gehörte, verschwunden und stattdessen saß ein anderer Mann in dem Geschäft. Man erzählte ihnen, dass die Familie nach Israel geflüchtet sei, da sie jüdischen Glaubens gewesen sei. Herr Kukovica reichte ein Buch herum, in dem die Lebensgeschichte dieser Familie sowohl auf Deutsch als auch auf Slowenisch festgehalten ist.
Unter vielen Anschauungsmaterialien hatte Herr Kukovica auch ein Buch eines Völkermarkters mitgebracht, in dem dieser über seinen ersten Schultag nach dem Einmarsch erzählt: Der Direktor der Schule war sofort ersetzt worden, der neue ließ alle slowenischen wie auch verbotenen deutschen Bücher in den Innenhof tragen und verbrennen. Die Schüler waren gezwungen dabei zuzusehen und einige Schüler stimmten zusammen mit den Lehrern und dem neuen Direktor ein NSDAP Lied an.
Als nächstes erzählte er von seinem ersten Schultag: Er ging mit den Kindern aus der Nachbarschaft zusammen zur Schule, seine Eltern hatten ihm gesagt, dass er keinerlei Angst zu haben brauche, da die kleinen Kinder meist eine nette Frau Lehrerin bekommen. Doch als die Kinder der ersten Klasse lachend und sich unterhaltend auf die Lehrerin warteten, kam ein Mann zu ihnen, der sie anschrie, da sie so ungeordnet zusammenstünden. Es stellte sich heraus, dass jener ihr Lehrer war. Er erklärte ihnen, wie sie ab diesem Zeitpunkt zu stehen hätten und wie sie sich ab jetzt grüßen müssen. Viele Kinder in der Klasse verstanden nur wenig Deutsch, doch der Lehrer verbot ihnen auch nur ein einziges Wort slowenisch zu sprechen.
1998 veröffentlichte die Kleine Zeitung eine Sonderausgabe zum Thema Nationalsozialismus in Österreich, in der sie die bisher meist verschwiegenen Tatsachen über einige ÖsterreicherInnen, unter ihnen auch KärntnerInnen, preisgab. Unter den vielen Mitbringseln befand sich auch ein Rechenbuch, das auf dem Titelbild zwei Jugendliche der Hitlerjugend zeigte und speziell für die NSDAP formulierte Rechenaufgaben enthielt.
Als Herr Kukovica eines Tages von der Schule nach Hause kam, hing im Hauseingang ein Plakat mit der Aufschrift: „Kärntner sprich Deutsch, die Sprache ist Ausdruck deiner Gesinnung.“ Als er seinen Vater nach dem Sinn dieses Spruches fragte, sage dieser ihm:“ Wer nicht Deutsch spricht, ist ein Feind von Hitler und soll aus Kärnten verschwinden.“ Er befahl ihm aber, falls ihn jemand danach fragte, zu sagen, dass er nicht wisse, was dieser Spruch bedeutete.
Ende der dritten Klasse wurde ihnen ein Zeugnisheft ausgeteilt, in das die Noten nur noch eingetragen werden mussten. Einige Kinder, unter ihnen auch Herr Kukovica, bemerkten, dass ihr Name falsch geschrieben war, doch als sie den Lehrer darauf ansprachen, beteuerte dieser, dass kein Fehler vorliegt, sondern dass die Namen ab jetzt in deutscher Schreibweise zu schreiben seien. Als Herr Kukovica dieses Zeugnisheft seinem Vater zeigte und dieser den Namen las, begann er zu schimpfen. Er beschimpfte Hitler, während seine Mutter versuchte ihn zu beruhigen, da es überall Leute gab, die dies weitererzählen könnten. Nachdem sich der Vater beruhigt hatte, verlangte er von seinem Sohn, dass er ihm versprechen soll niemandem zu erzählen, was er gerade gehört hatte.

Ich persönlich fand den Vortrag sehr spannend und aufschlussreich und hoffe sehr, dass unsere Schule die Tradition, Zeitzeugen einzuladen, auch in Zukunft beibehält. Ich möchte mich hiermit auch sehr herzlich bei Herrn Kukovica für seine Zeit und die Geduld für die Beantwortung unserer Fragen im Namen der 7. Klassen bedanken.


Prof. Mag. Rosemarie Pollanz begrüßte als Kustos für GPB
den Zeitzeugen Franc Kukovica


Franc Kukovica erzählt aus seinem Leben..


7. Klassen und Teile der 4. Klassen

Text:      Claudia Gutschi 7.a
Fotos:     Prof. Mag. Eduard Maltschnig, Prof. Mag. Rosemarie Pollanz