"Zeit und Vergänglichkeit" - ein fächerübergreifendes Projekt der 8.a - Klasse
Quid est ergo tempus? So hat der Hl. Augustinus sich im 14. Buch seiner Confessiones gefragt. Und hat im selben Augenblick eingeräumt, dass er zwar für sich weiß, was Zeit ist, bloß fragen sollte man ihn nicht darum. So hat sich auch die 8A-Kl. in einem arbeitsintensiven, fächerübergreifenden Projekt zum Thema Zeit und Vergänglichkeit redlich und einsatzfreudig abgemüht, sich dem Phänomen Zeit zu nähern.
Acht Kollegen/Innen haben an dem breit angelegten Projekt der 8A mitgewirkt. Initiiert wurde es von meiner Seite, realisiert im Regelunterricht des November und Dezember nach Maßgabe der einzelnen Klassenlehrer, finalisiert in einer abschließenden zweistündigen Leistungsschau, i.e. Präsentation am Di., dem 20.Dez. 2011
Im Lateinunterricht wurde ein umfangreiches Skriptum griechischer und lateinischer Texte aus einem Zeitraum von mehr als 1000 Jahren bearbeitet. Die von antiken Autoren vorrangig behandelten Themen beinhalten den vielfach variierten Appell zum bewussten Umgang mit der Zeit (Horaz, Seneca, Marc Aurel), Jammer über die schnell vergangene Jugendzeit und Bejammerung des Elends im Alter. Dem gegenüber stehen philosophische Texte, die Werden, Bewegung und Veränderung als dominierende Seinsprinzipien fokussieren.
Im Fach Religion (Ingrid Isak) wurden in verschiedenen Arbeitsgruppen Bibelzitate mit Zeitbezug untersucht, die Frage nach Zeit und Ewigkeit im christlichen Kontext betrachtet und u.a. auch das berühmte Kap. 3,1-8 des Buches Kohelet „Alles hat seine Zeit“.
Im Fach PHE (Sabine Weber) ging es um die facettenreiche Frage der Wahrnehmung der Zeit, um die physiologische (innere) Uhr, um philosophische Überlegungen um den Ablauf der Zeit, um das Verhältnis von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, um Lebenstempo und Zeitmanagement.
In Biologie (Josef Wetz) wurden drei zeitrelevante Aspekte herausgegriffen: verschiedene Taktgeber des Menschen als innere Uhr, Zeitphasen der Schwangerschaft und die zeitliche Stellung des Menschen in der Evolutionsgeschichte.
Die Beiträge aus Physik (Herta Schneider) unterzogen unsere physikalische Verständnisfähigkeit einer Belastungsprobe: Atomuhren, das Funktionieren von GPS-Satelliten, Gleichzeitigkeit im physikalischen Sinne, Dilatation und Rotverschiebung als Einflussfaktor auf die Zeit.
In Italienisch (Georg Pagitz) wurde Dino Buzzatis höchst pfiffige Erzählung „Appuntamento con Albert Einstein“ (Verabredung mit A. E.) gelesen und besonders vielfältig waren die Aktivitäten im Fach Deutsch (Helmtraud Weber): Sammlung und Interpretation von Zitaten, Interpretation von Kurzgeschichten, ein Experiment zum subjektiven Zeitempfinden. Literaturgeschichtlich wurde Woyzeck (Georg Büchner), der Bahnwärter Thiel (Gerhard Hauptmann) und der Sekundenstil des Naturalismus behandelt.
Realisation des Themas auf künstlerisch höchst kreativem Wege hat die Gruppe WPG-BE (7.Kl.) unter der Ägide von Roza Salzmann gesucht, womit das fächerübergreifende Projekt ansatzweise auch einen klassenübergreifenden Aspekt aufweist.
Gratulation und Dank an alle Schüler/Innen und Kollegen/Innen für Euer Engagement, euren Idealismus, eure Zeit für die Zeit. Die zufällige Koinzidenz des Themas mit demselben Thema der Sendung des Radiokollegs vom 12. – 15. Dez., die augenblicklich museale Präsenz des Themas im Joanneum in Graz (Zeitspaziergang durch die Altstadt mit drei Ausstellungen) bestätigen, dass wir auf der Höhe der Zeit unsere Zeit verbracht haben, eben echt trendy – wenngleich wir letzteres nicht wirklich nötig haben, wie ich meine. Salvete!






Projektpräsentation am 21.12.2011







Literarischer Handapparat im Konferenzzimmer
Text:
Prof. Mag. Franz Spöcklberger
Fotos: Prof.
Mag. Franz Spöcklberger, Prof. Mag. Gerlinde Peter
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